Berlin, 24. März 2010: Preisverleihung des 8. Deutschen Hörfilmpreises
Im Rahmen einer festlichen Gala wurde am 24. März 2010 in Berlin der 8. Deutsche Hörfilmpreis verliehen.
In Anerkennung des hohen Niveaus der 13 Nominierungen entschied sich die Jury dafür, zwei Preise zu vergeben. Zuerst wurde die Hörfilmfassung der norwegischen Komödie "Elling" ausgezeichnet. Schauspielerin Dennenesch Zoudé überreichte den Preis an Hans-Wolfgang Jurgan, Geschäftsführer der Degeto Film, sowie die Filmbeschreiberinnen Evelin Sallam und Susanne Linzer.
Als zweite Hörfilmproduktion konnte sich das Schweizer Familiendrama "Vitus" durchsetzen. Regisseurin Sophie Heldman ("Satte Farben vor Schwarz") hielt die Laudatio und übergab den Preis an Hauptdarsteller Bruno Ganz, ARTE-Programmdirektor Dr. Christoph Hauser sowie die Filmbeschreiberin Sabine Ziehm.
Anschließend wurde der erste Publikumspreis in der Hörfilmpreisgeschichte vergeben. An der Abstimmung hatten sich zahlreiche blinde, sehbehinderte, aber auch sehende Hörfilmfans beteiligt. Als eindeutiger Publikumsliebling konnte sich mit 47 Prozent der Stimmen das deutsch-amerikanische Drama "Der Vorleser" durchsetzen.
© flairberlin
Klaus Wowereit übergab ersten Publikumspreis der Hörfilmpreisgeschichte für den Film "Der Vorleser" an den Hauptdarsteller David Kross und Bernd Benecke, Hörfilmredakteur vom Bayerischen Rundfunk.
Zur prominent besetzten Jury gehörten unter anderem die Schauspielerinnen Brigitte Grothum, Saskia Valencia und Bettina Zimmermann sowie die Produzentin Regina Ziegler.
Blinde und sehbehinderte Menschen erleben einen Film allein über seine Tonspur. Sie sind darauf angewiesen, dass Bildinhalte akustisch umgesetzt werden. Gregory Frazier entwickelte deshalb Mitte der 70er Jahre an der San Francisco State University of Creative Arts die Audiodeskription. Dabei geben eingesprochene Texte in den Dialogpausen wichtige Hinweise zu Mimik, Gestik und Aussehen der handelnden Personen, beschreiben Orte oder erklären Zeitsprünge, Rückblenden und Traumsequenzen. Im Jahr 1989 wurde die Technik, bei der Szene für Szene beschrieben wird, erstmalig in Europa auf den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt. Audiodeskription macht aus Filmen so genannte Hörfilme - perfekt zugänglich für blinde und sehbehinderte Menschen. Sie können der Handlung folgen und erleben, was bei "Harry und Sally" im Restaurant geschieht oder was Miss Marple aus ihrem Zugabteil beobachtet. Hörfilme erschaffen Bilder mit Worten und ermöglichen blinden und sehbehinderten Menschen den direkten Zugang zu Fernsehen und Kino.
Zu den schwierigsten Aufgaben der Audiodeskriptoren gehört das ständige Verknappen der beschreibenden Texte. Häufig lassen die Lücken zwischen den Dialogen nicht viel Platz für Einfügungen, außerdem soll die Atmosphäre des Films erhalten bleiben. Entscheidend für einen gelungenen Hörfilm ist außerdem die Mitarbeit eines blinden oder sehbehinderten Menschen. Wird der Wechsel von Haupt- und Nebenhandlung deutlich? Kommt Humor oder Tragik einer Szene tatsächlich zum Ausdruck? Erst wenn auch im Kopf eines blinden oder sehbehinderten Zuschauers ein Film abläuft, wird die fertige Audiodeskription im Tonstudio aufgenommen und mit der Originalspur abgemischt. Die komplette Bearbeitung eines Films kostet durchschnittlich 5.000 EUR.
Hörfilme werden verstärkt digital ausgestrahlt und können mittlerweile am besten über
digitales Kabel, digitalen Satelliten oder DVBT (digitale Antenne) empfangen werden. Für
den Empfang sind keine Zusatzgeräte erforderlich, reguläre Stereogeräte reichen aus.
Weitere Informationen:
www.deutscher-hoerfilmpreis.de
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