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Salvatore Sciarrino: Luci mie traditrici
© Attilio Maranzano
Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
10719 Berlin
Tel +49 (0)30 254 89 100
Fax +49 (0)30 254 89 155
http://www.berlinerfestspiele.de
MaerzMusik - Festival für aktuelle Musik
Sa 20.03. 20:00 Uhr und So 21.03. um 18:00 Uhr
Salvatore Sciarrino: Luci mie traditrici
Ort: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Mit Luci mie traditrici, einem der beeindruckendsten Musiktheaterwerke des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino, eröffnet MaerzMusik 2010, das Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele.
Die Oper Luci mie traditrici wurde unter dem Titel „Die tödliche Blume“ im Jahr 1998 in Schwetzingen uraufgeführt. Seither hat sie eine Reihe von weiteren Inszenierungen erlebt. Eine Neuinszenierung in der Regie und Ausstattung von Rebecca Horn präsentierten die Salzburger Festspiele im Jahr 2008. Diese einzigartige und äußerst erfolgreiche Inszenierung mit der Sopranistin Anna Radziejewska, dem Bariton Otto Katzameier, dem Countertenor Kai Wessel und dem Bariton Simon Jaunin, ist nun auch bei MaerzMusik zu erleben.
Unter dem dialektischen Motto Utopie [verloren] untersucht die neunte Ausgabe von MaerzMusik mit exemplarischen Werken, zahlreichen Uraufführungen und Neuproduktionen Musik als Ort utopischen Denkens und utopischer Praxis, von Erinnerung und Hoffnung, aber auch als Ort der Reflektion über Verlust und Scheitern, Resignation und Verfall, Tod und Jenseits.
Utopie: der Nicht-Ort und der gute Ort. Die Gegenwart scheint in hohem Maß von Mutlosigkeit geprägt. Reaktion dominiert über Aktion, blanker Pragmatismus und Krisenmanagement über Vision und Perspektive. Im Westen wird allenthalben das Ende der Ideologien ausgerufen. Das Reden über Utopie und Ideale wird fast zum Tabu. Und doch nährt umgekehrt der Verlust an Utopie die Sehnsucht nach Orientierung und Veränderung. Kunst kann, indem sie uns mit uns selbst konfrontiert, ein Labor der Überschreitung, des neuen Denkens, der Kreation jenseits des Bekannten sein. Kunst ermöglicht die Erfahrung des Erhabenen, der Ahnung des Anderen, des Noch Nicht, des Nicht Mehr, des Unfassbaren. Vor allem Musik mit ihrem Anspruch auf Autonomie und Abstraktion hat das Potential, den Keim der Utopie zu wahren und aufgehen zu lassen.
Neben den szenischen Produktionen bietet MaerzMusik 2010 herausragend besetzte Orchester- und Kammermusik, in der politische, technische, spielpraktische und rein musikalische Momente des Utopischen anklingen. Die Staatskapelle Weimar unter Heinz Holliger macht mit dem Werk Utopia von Thomas Kessler in der Philharmonie klangräumlich erfahrbar, dass ein Orchester mehr ist als ein kollektives Zusammenwirken professioneller Musiker. Verteilt im Raum verfügt jeder einzelne Musiker über einen Computer und Verstärker, um den Instrumentalklang live-elektronisch zu verfremden. Die überhaupt erste Komposition mit Live-Elektronik des Altmeisters Klaus Huber wird uraufgeführt vom Collegium Novum aus Zürich. Das Arditti Quartet aus London, das Quartetto Prometeo aus Rom und das Ensemble ascolta aus Stuttgart – allesamt zum ersten Mal bei MaerzMusik zu Gast – spielen Auftragswerke von Salvatore Sciarrino, James Clarke, Olga Neuwirth, Johannes Schöllhorn, Isabel Mundry, Barbara Monk Feldman und anderen. Zu Ehren des 80. Geburtstags von Dieter Schnebel heben das erweiterte Trio Accanto und die Sängerin Susanne Otto einen abendfüllenden Zyklus auf späte Gedichte von Ingeborg Bachmann aus der Taufe. Aufgrund der Renovierung des Hauses der Berliner Festspiele findet die nächtliche Sonic Arts Lounge ebenso wie alle anderen Veranstaltungen „außer Haus“ statt.
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